DAS ANLEGEN EINER CHRISTBAUMKULTUR

Vor dem Auspflanzen sollte man sich ein genaues Schema über ausgewählte Sorten, Flächengröße und -form, Reihenausrichtung, Pflanzabstände, die gewünschten Längs- und Querwege und anderes mehr vorbereiten, um nicht plötzlich vor unerwarteten Schwierigkeiten zu stehen, wenn die Pflanzpartie auf ihren Einsatz wartet. Zu diesen Überlegungen gehört natürlich auch jene, woher man sich das nötige Pflanzmaterial beschafft. Die benötigte Pflanzenanzahl sowie Sortenaufteilung sollten vor Beginn der Arbeit sehr genau feststehen und möglichst auf Papier festgehalten sein.

REIHENAUSRICHTUNG
Wo immer möglich, sollten die einzelnen Pflanzreihen in den Kulturen von Norden nach Süden laufen, weil so die Belichtung der Pflanzen am günstigsten ist. Sollte es sich jedoch um Kulturen handeln, die starken Winden aus einer Richtung ausgesetzt sind, so ist es besser, die Reihenrichtung mit der Richtung des Windes laufen zu lassen. Da früher viele Arbeiten mit der Hand durchgeführt wurden, pflanzte man eher geschlossene Blöcke gleicher Tannenarten mit kürzeren Reihen, heute aber, wo beinahe alle Arbeiten mechanisch erfolgen, können die Reihen nicht lange genug sein. Reihen, die jedoch länger sind als 100 m, sollten durch Querwege unterbrochen werden, um den Abtransport der Bäume, besonders der lebenden Bäume, zu erleichtern. Entscheidend ist, dass die maschinellen Arbeitsvorgänge nicht durch unterschiedliche Reihenabstände und besonders durch unterschiedliche Pflegeansprüche in ihrem Arbeitsfluss gestört werden. Möglichst lange Reihen sind für den wirtschaftlichen Einsatz von Maschinen eine Grundvoraussetzung, da sonst der anteilige Arbeitsaufwand für das unproduktive Wenden der Maschinen zu hoch wird. Viele Maschinenteile werden beim Wenden wesentlich stärker beansprucht als beim Geradeausfahren (Lager, Gelenke, Walzen etc.)

PFLANZABSTÄNDE
Der Pflanzabstand in einer Christbaumkultur richtet sich in erster Linie nach den für die Pflege der Kultur in den nächsten zehn Jahren vorgesehenen Geräten. Die Abstände der Reihen zueinander sollten mindestens 40 bis 50 cm über die mögliche Arbeitsbreite des Mähers oder Mulchers, bei einer Grasmulchvariante, oder einer Fräse, bei einer Bodenoffenhaltungsvariante in trockeneren Gebieten, hinausgehen. Bei einer Mulchbreite von 1 m sollte der Reihenabstand also mindestens 1,40 m betragen. Dies ist im zunehmenden Maße dann notwendig, wenn die Reihenabstände im Verlauf der Reihe nicht sehr genau eingehalten wurden, da sonst Beschädigungen des Baumes im bodennahen Bereich unausweichlich sind. Genau genommen braucht jede Tannenart ihren spezifischen Standraum, um zu einer „Qualitätspflanze“ heranwachsen zu können. So kann der ideale Aufbau des Christbaumes durch einen zu engen Stand stark vom Idealbild abweichen. Ein ausreichender Standplatz bis zum vierten oder fünften Standjahr ist jedoch für alle Tannen- und Fichtenarten mit Sicherheit bei einem Abstand von 1,50 x 1,20 m gegeben.
Ab diesem Zeitpunkt kann auch schon eine gewisse Menge an Christbäumen entnommen werden (bei einzelnen Arten auch schon früher) bzw. können lebende Bäume schon ab dem dritten Standjahr brauchbar sein, wodurch der verbleibende Rest wieder mehr Platz erhält. Nordmannstannen tolerieren einen zu engen Pflanzabstand, indem sie problemlos ineinander wachsen. Vorsicht ist bei fast allen anderen Tannenarten gegeben, die einen zu engen Standraum nicht tolerieren bzw. zu Verpilzung oder zu unregelmäßigen Formen neigen. Hier muss man früh genug Ware entnehmen, um Luft und Licht in die Kulturen zu bringen.

PFLANZZEIT
Die meisten Kulturen werden im Frühjahr angepflanzt, aber es besteht auch die Möglichkeit, sie, um etwaige Arbeitsspitzen abzubauen, im Herbst zu setzen. Die Herbstauspflanzung sollte möglichst früh erfolgen, um dem Baum noch eine Möglichkeit zu geben, sich im Boden etwas zu verankern. Im Spätherbst gepflanzte Bäume können besonders auf sonnigen Lagen durch die oft starken Temperaturschwankungen vom Minus- in den Plusbereich förmlich aus dem Boden gehoben werden, bis sie frei auf der Oberfläche zu liegen kommen. Südhänge werden daher auch besser im Frühjahr bepflanzt. Möglicher Pflanztermin im Herbst ist von Ende August oder Anfang September beginnend bis Mitte Oktober. Später gepflanzte Bäume wurzeln im Herbst in der Regel nicht mehr an, da der Boden meist schon zu kalt ist. Gelingt es allerdings, noch im Herbst eine neue Bewurzelung zustande zu bringen, so halten die Bäume über den Winter besser im Boden und starten im Frühjahr wesentlich früher, was auch einen längeren Terminaltrieb bewirkt, den wir uns vor allem in den ersten Jahren so sehr wünschen.
Bei den meisten Tannenarten ist es von Vorteil, sie nicht zu früh im Frühjahr zu setzen, da sie in der Regel besser anwachsen, wenn sie erst kurz vor dem Antreiben von der Verschulung auf die für die Christbaumkultur vorgesehene Fläche kommen. Diesbezügliche Absprachen mit dem Pflanzenlieferanten sind dazu unbedingt notwendig. Bei zu spätem Auspflanzen besteht die Gefahr von Austrocknungen und damit verbundenen Ausfällen, da mitunter die Temperaturen im Mai schon über die 30-Grad-Marke steigen können. Außerdem ist es wichtig, dass die frisch gesetzte Kultur in ihrer ersten Phase einmal ausgiebig Feuchtigkeit bekommt, damit die Bäume zu frischem Wurzelwachstum animiert werden.
Je kürzer der Zeitraum vom Ausnehmen der Pflanzen aus der Verschulung bis zum Versetzen in der Christbaumkultur ist, desto besser werden die Pflanzen den Übersetzungsschock überwinden. Es ist nämlich keinem gedient, wenn der Pflanzenproduzent das Pflanzmaterial sehr früh aus der Verschulung nimmt und dieses dann wochenlang im Einschlag oder im Kühlhaus gehalten wird.

DIE PFLANZEN
Die benötigten Pflanzen werden in der Regel in einer der Forstbaumschulen oder in einer Baumschule aus der näheren oder weiteren Umgebung eingekauft.
Die Pflanzen bedürfen vor dem Versetzen meist einer Vorbereitung in der Weise, dass zu lange Wurzelkörper eingekürzt und damit das Wachsen von Adventivwurzeln gefördert wird. Ihre Neubildung erfolgt nach der Verpflanzung aus dem Holzkörper der stärkeren Wurzeln, und erst wenn dies erfolgt ist, kann die Pflanze als angewachsen betrachtet werden.
Die Größe der Pflanzen kann bei Flachwurzlern, also allen Fichtenarten und einigen Tannenarten, mittel bis groß sein (40–70 cm), bei tiefwurzelnden Tannenarten nach Möglichkeit klein bis mittel (20–40 cm).

Aus dem Buch:

Cover des Buches 'Christbaumkulturen' mit einem Mann, der zwischen Tannenbäumen steht

ISBN 978-3-7020-1508-4
Gottfried Fließer
CHRISTBAUMKULTUREN
Pflanzung – Pflege –Vermarktung!
5., aktualisierte Auflage, 160 Seiten, durchgehend farbig bebildert, Hardcover
€ 27,00

Gleichmäßiger Wuchs, ansprechende Größe und lange Haltbarkeit – das sind die Wünsche der Kunden an einen Weihnachtsbaum. Um diese zu erfüllen, braucht es Wissen über Pflanzen- und Kundenansprüche sowie langfristige Planung und Finanzierung – denn bis aus Samen verkaufsfähige Bäume werden, vergehen Jahre. Der Autor vermittelt praxisnahes Wissen zur Anlage, Pflege und Aufzucht attraktiver Christbäume: von geeigneten Baumarten über Düngung, Schnitt und Pflanzenschutz bis hin zu Ernte und Vermarktung. Mit diesen Tipps können Sie Risiken minimieren und eine hohe Qualität sichern.

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