LEITFADEN FÜR SCHWIERIGE GESPRÄCHE

Um als Großfamilie auf Dauer friedlich zusammenzuleben, ist es notwendig, sich schwierigen Themen zu stellen und diese in der Familie zu besprechen. Viele Menschen vermeiden solche Gespräche aus Angst vor möglichen Folgen oder schieben sie immer wieder auf. Die Konsequenz für das Vermeiden von Aussprachen ist, dass Konflikte nicht gelöst werden. Die negativen Emotionen zwischen den Konfliktparteien bleiben bestehen. Unbewusst werden negative Gefühle möglicherweise auf eine andere Ebene des Miteinanders übertragen. Fehlende Kommunikation und das daraus resultierende geringe Verständnis füreinander kann das Miteinander stark belasten.

Das Gespräch beginnst du am besten mit der Beschreibung deiner Gefühle und der Umstände, die diese verursachen. Verwende die in diesem Buch beschriebenen Hilfsmittel für gelingende Kommunikation, wie Ich-Formulierungen oder einfühlsame Kommunikation. Achte auf eine positive und eindeutige Wortwahl. Danach bitte den Gesprächspartner, seine Sicht darzustellen. Frage, wie es ihm in Bezug auf das Konfliktthema geht, wie er sich fühlt. Vermeide es, emotional zu werden, sollte der andere dich verbal attackieren oder dir die Schuld für Probleme zuweisen. Es ist wichtig, ruhig zu bleiben und Gesagtes nicht persönlich zu nehmen. Versuche anhand seiner Körpersprache zu erkennen, wie es dem anderen geht und ob das Gesprochene mit dem, was du siehst, übereinstimmt. Übe, aus den Schilderungen des Gesprächspartners dessen Bedürfnisse und Anliegen herauszuhören. Was braucht er, um zufrieden zu sein? Verwende die in diesem Buch beschriebenen Techniken, um andere besser zu verstehen (aktives Zuhören, neutraler Beobachter). Hör genau zu und gib deinem Gesprächspartner ausreichend Zeit, um sich zu sammeln und seine Anliegen darzulegen. Frage nach, wenn es Unklarheiten gibt! Überprüfe, ob etwaige Kritik an deinem Verhalten berechtigt ist und überlege, was dein Anteil am Problem ist. Nehmen mehrere Personen am Gespräch Teil, dann spricht jeder nacheinander. Derjenige, der spricht, wird von den anderen möglichst nicht unterbrochen. Die Zuhörer bemühen sich, die Sichtweise des Sprechers zu verstehen und dessen Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen und nachzuvollziehen.

Bleibe geduldig und ruhig und bemühe dich, mit dem anderen in emotionalem Kontakt zu bleiben. Wenn dein Gegenüber sich selbst wenig reflektiert, liegt das Gelingen des Gesprächs in erster Linie an dir. Es kann hilfreich sein, das Besprochene zwischendurch immer wieder in eigenen Worten zusammenzufassen und abzuklären, ob alle das Gleiche verstanden haben oder ob es Missverständnisse gibt. Wenn andere deine persönlichen Grenzen überschreiten (z. B. durch Beschimpfungen), dann weise klar darauf hin und verlange eine Verhaltensänderung.

Ziel des Gespräches ist, eine Lösung zu finden, mit der alle zufrieden sind. Das kann bedeuten, Kompromisse einzugehen. Zum besseren Verständnis kannst du am Ende des Gespräches die Standpunkte der einzelnen Parteien noch einmal zusammenfassen und die Gemeinsamkeiten und Gegensätze klar ansprechen. Kann das Problem nicht gelöst werden, sollte ein weiteres Gespräch zu einem späteren Zeitpunkt vereinbart werden. Die Beteiligten haben somit Zeit, über das Gesprochene nachzudenken und durch die Aussprache gewonnene Erkenntnisse zu verarbeiten. Mach deutlich, dass es dir wichtig ist, dich mit anderen zu verstehen und dass du deshalb versuchen möchtest, die Unklarheiten bei einer erneuten Aussprache zu klären.

Nicht immer gelingt es, zwischenmenschliche Konflikte zu lösen. Manchmal sind die Beteiligten zu verbohrt oder eigensinnig und nicht bereit, von ihrer Sichtweise abzurücken. Möglicherweise sind sie zu diesem Zeitpunkt nicht in der Lage, das Problem zu lösen oder etwas zu verändern. In dieser Situation kann es sinnvoll sein, sich zurückzuziehen und den Kontakt vorübergehend zu reduzieren. Wenn die Emotionen abgekühlt sind, fällt es leichter, miteinander zu reden und sich wieder anzunähern.

TIPP
Der erste Schritt zu einem Gespräch sollte immer die geistige Vorbereitung darauf sein. Denk dazu über Folgendes nach (für manche ist es hilfreich, sich dazu Notizen zu machen):
• Was ist mein konkretes Anliegen?
• Was brauche ich, damit ich zufrieden sein kann?
• Was erwarte ich mir von der anderen Person?
• Wie sind meine Gefühle gegenüber dem anderen und was löst sie aus?
• Was habe ich selbst zum Konflikt beigetragen?
• Wie sieht der andere die Situation (Versetze dich in seine Lage [vgl. Seite 55])?
• Was braucht der andere, damit er zufrieden sein kann?
• Wie kann eine mögliche Lösung aussehen?

Sind die Ziele des Gesprächs klar, folgt die praktische Vorbereitung:
• Überlege, wer dabei sein soll und lade diese Personen zum Gespräch ein.
• Wähle einen geeigneten Ort.
• Suche einen für alle Beteiligten passenden Zeitpunkt aus.
• Schließe mögliche Störquellen aus (z. B. Besuch, Kinder, Handy).

Falls es schwierig ist, jemanden zum Reden zu bewegen, kann er mit gezielten Fragen zum Erzählen angeregt werden:
• Was brauchst du, um zufrieden zu sein?
• Was ist deine größte Angst oder Sorge?
• Was könnte schlimmstenfalls passieren?
• Was würde dir helfen, um besser mit der Situation umzugehen?
• Wer könnte dich dabei unterstützen?
• Welches Verhalten hat dir in einer ähnlichen Situation genützt?
• Was würdest du einem anderen Menschen in einer solchen Situation raten?
• Wie glaubst du, wirst du in einem Jahr darüber denken?

Aus dem Buch:

Cover des Buches 'Endlich Frieden am Hof mit einer Familie die am Küchentisch sitzt und lächelt

ISBN 978-3-7020-2313-3
Petra Wurzer
ENDLICH FRIEDEN AM HOF
Wie das Zusammenleben der Generationen gelingt
136 Seiten, mit Farbfotos, 15 x 23 cm, Hardcover
€ 22,00

Auf Bauernhöfen gibt es viel Redebedarf, aber auch viele Reibungspunkte. Die Autorin beschreibt in einfachen Worten und leicht verständlich die Kernelemente des guten Zusammenlebens: Warum kommt es häufig zu Missverständnissen? Wie gelingt Kommunikation? Wie kann das Miteinander gestaltet werden, damit alle sich wohlfühlen? Das Buch fördert das Verständnis für andere Menschen und schärft das Bewusstsein für die eigene Beteiligung an Konflikten. In Fallbeispielen erklärt sie anschaulich, woran es scheitert, wenn die Gespräche sich im Kreis drehen oder sogar verstummen.

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