POLLEN – HERKUNFT U. INHALTSSTOFFE
HERKUNFT
Der Pollen oder Blütenstaub wird in den Staubgefäßen der Blüte produziert. Er besteht aus einzelnen Pollenkörnern. Zum Zeitpunkt der Freisetzung hat sich jedes Pollenkorn bereits zur männlichen Fortpflanzungseinheit der Blütenpflanzen entwickelt. Dadurch besteht bei den Samenpflanzen ein Pollenkorn aus drei Zellen (einer vegetativen Zelle und zwei Spermazellen).
Beim Blütenbesuch bleiben die Pollenkörner im gefiederten Haarkleid der Biene haften. Mit Hilfe der an den Beinen ausgebildeten Pollenkämme werden sie beim „Höseln“ aus dem Haarkleid ausgebürstet und in die Pollenkörbchen an den Hinterbeinen befördert. Um den Pollen klebriger zu machen, wird noch eine kleine Menge Nektar oder Honig beigefügt. Als so genannte „Pollenhöschen“ werden sie anschließend in den Stock eingetragen und in den Zellen der Bienenwabe eingelagert.
Abhängig von der beflogenen Pflanzenart ist das Gewicht einer Pollenladung sehr unterschiedlich und kann zwischen 8 und 20 Milligramm schwanken. Um eine Pollenladung von 15 Milligramm zu höseln, müssen durchschnittlich 80 Blüten besucht werden. Farbe und Form der Pollenkörner sind charakteristisch für die jeweilige Pflanzenart. Dies erlaubt auch die Nutzung der Pollenanalyse für die Herkunftsbestimmung von Honig und anderen Bienenprodukten (Blütenpollen, Gelée royale).
INHALTSSTOFFE
Pollen enthält alle Stoffe, die der menschliche Organismus zum Leben braucht. Er ist reich an solchen Stoffen, die unser Körper nicht selbst produzieren kann und daher unbedingt mit der Nahrung aufnehmen muss. Die Zusammensetzung des Pollens hängt von seiner pflanzlichen Herkunft ab. Es lassen sich daher bei den Inhaltsstoffen nur Durchschnittswerte angeben, die nach oben und unten schwanken können.
Daneben finden sich noch Vitamine, Spurenelemente, Aroma-, Wuchs- und antibiotische Stoffe sowie hormonartig wirkende Substanzen.
Kohlehydrate bilden in den meisten Pollenarten den Hauptbestandteil der Trockenmasse. Fructose, Glucose und Saccharose sind die wichtigsten enthaltenen Zuckerarten. Daneben finden sich aber auch noch eine Reihe anderer Ein- und Mehrfachzucker sowie Stärke.
Der Fettgehalt schwankt von Pollenart zu Pollenart sehr stark. Löwenzahnpollen ist mit 14,4 % beispielsweise sehr fettreich. Pollenfette bestehen bis zu 43 % aus den drei wichtigsten mehrfach ungesättigten Fettsäuren Linol-, Linolen- und Arachidonsäure. Diese essenziellen Fettsäuren sind wichtig für den Cholesterinstoffwechsel, den Aufbau von Zellmembranen und Enzymen und können vom menschlichen Organismus nicht hergestellt werden. Ein Mangel an essenziellen Fettsäuren führt zu Wachstumsstörungen, Hautveränderungen und Störungen im Wasserhaushalt.
Blütenpollen ist reich an Vitamin B1, B2, B6, Vitamin C und Vitamin E. In kleineren Mengen kommen noch weitere Vitamine vor. Zwischen normalem bzw. vakuumgetrocknetem Blütenpollen und Bienenbrot gibt es gewisse Unterschiede im Vitamingehalt. Er enthält viel Kalium, Magnesium, Eisen, Zink und Kupfer; die Schwermetallbelastung mit Cadmium und Blei ist gering. Auf verschiedene Bakteriengruppen (Salmonella, Proteus, Coli) hat Pollen hemmende Eigenschaften. Von Bienen gesammelter Pollen hat dabei eine 6–7-mal stärkere Wirksamkeit als handgesammelter Pollen.
WIRKSTOFFE
Pollen enthält die Enzyme Diastase, Invertase, Katalase, Phosphatase u. a. sowie Wuchs- und Futterverwertungsstoffe.
GEWINNUNG UND AUFBEREITUNG
Jedes Bienenvolk sammelt pro Jahr 10–40 kg Frischpollen, der für die Aufzucht der Brut und den bieneneigenen Stoffwechsel gebraucht wird. Interessanterweise gibt es auch bei den Bienen „gute und schlechte Futterverwerter“. Das bedeutet, dass die mit einer Polleneinheit aufgezogene Anzahl an Bienen von Volk zu Volk schwankt. Während einer guten Pollentracht kann der Imker durch den Einsatz von Pollenfallen einen Teil des eingetragenen Pollens abzweigen und nach entsprechender Aufbereitung als wertvolles Produkt zur Ergänzung der menschlichen Ernährung vermarkten.
Die Pollengewinnung kann eine Imkerei wirtschaftlicher und krisenfester machen, da eine Pollenernte auch in schlechten Honigjahren möglich ist. Der Einsatz von Pollenfallen ist ab dem Beginn der Obstblüte möglich. Es ergibt sich dadurch auch ein schwarmhemmender Effekt, da das
Brutnest von übermäßigen Pollenmengen entlastet wird und die Königin mehr freie Zellen zur Eiablage vorfindet. Auf den Einsatz der Pollenfallen reagieren die Bienen mit einer verstärkten Pollensammeltätigkeit, sodass kein Pollenmangel bei den Völkern zu befürchten ist. Die Honigsammelleistung kann dabei allerdings bis zu 25 % abnehmen. Zum Pollensammeln eignen sich am besten mittelstarke Völker mit viel offener Brut und junger Königin. Pro Tag können bis zu 100 Gramm Pollen, im Extremfall auch wesentlich mehr, geerntet werden. Unter den Bienenvölkern gibt es dabei fleißige und faule Pollensammelvölker.
INFO:
Pollen enthält alle für die menschliche Ernährung wichtigen Aminosäuren in Form von Eiweißverbindungen oder in freier Form. 100 g Pollen enthalten beispielsweise ebenso viele lebensnotwendige Aminosäuren wie 500 g Rindfleisch. 30 g Pollen decken den Tagesbedarf an diesen Aminosäuren.
Aus dem Buch:
ISBN 978-3-7020-2092-7
Moosbeckhofer / Ulz
DER ERFOLGREICHE IMKER
Aktualisierte Neuauflage, 264 Seiten, zahlr. Farbabb., Tabellen und Skizzen, 16,5 x 22 cm, Hardcover
€ 30,00
„Das Bienenbuch“ für die Praxis vermittelt dem Imker alle grundlegenden Kenntnisse und Fertigkeiten, um die Imkerei erfolgreich betreiben zu können. In fünf Hauptabschnitten (Standort und Behausung, Bienenjahr, Trachtpflanzen und ihre Nutzung, Bienenprodukte, Bienenkrankheiten) werden alle wesentlichen Fragen und Probleme genau behandelt. Aufgrund seiner Detailfülle ist das Buch sowohl für den Einsteiger als auch für den erfahrenen Bienenzüchter von Interesse, der hier manche wertvolle Anregung erhält.






© Anna Höller