AGRAR-REBELLION – DIE NATUR ZEIGT DIR IMMER EINEN WEG

Wir Menschen müssen wieder lernen, mit der Natur zu kommunizieren, sie wahrzunehmen und uns als Teil von ihr zu verstehen. „Wo fängt man am besten damit an?“, werde ich manchmal gefragt. Vielleicht zuerst einmal im Blumentopf? In der Küche, in der Stube oder am Balkon. Im Grunde eignet sich fast jede Fläche dafür.

Schon Kindern sollte man zeigen, dass in einem Samen Leben steckt, dass das wichtig ist und wunderbar. Sie bedecken Samen mit Erde, sehen wie Pflänzchen keimen und fragen sich, welche Früchte sie einmal tragen werden. Kirschen? Maroni? Äpfel?

Kinder merken sich die Antwort genau. Weil sie es sind, die die Samen in die Erde gesteckt haben, weil es jetzt ihre Pflanzen sind.

Ein Kind, dass ein Bäumchen hat, das ihm gehört, wird es wertschätzen, pflegen, vor Gefahren schützen und verteidigen. Es lernt, dass da eine Beziehung zwischen ihm und dem Bäumchen besteht und verinnerlicht, dass es verantwortlich für dieses Geschöpf ist.

Das sind prägende Erfahrungen und für die muss man Kindern auch Platz lassen. Sie brauchen Freiräume und Zeit für Experimente – für Erfolgserlebnisse und für Misserfolge, denn aus diesen lernen sie genauso viel, wenn nicht sogar mehr.

Kinder müssen mit der Welt vertraut werden, damit sie sich in ihr zurechtfinden und lernen, wie man im Buch der Natur liest. Sie müssen erfahren, wie Natur funktioniert und welche Aufgaben ihre Mitlebewesen haben.

Dann sehen sie: Jedes Leben stellt einen Wert dar. Nichts existiert ohne Grund. Jede Kreatur hat eine Aufgabe. Alles ist miteinander verbunden und vernetzt: der Boden, der Baum, der Regentropfen und der Wurm. Kinder verstehen das auf Anhieb – Erwachsene oft gar nicht, weshalb sie ihren Kindern dummerweise so vieles verbieten.

Wo dürfen Kinder heute noch graben, pflanzen, ernten? Fast nirgendwo. Viele Eltern meinen, die Natur sei schmutzig, unappetitlich, gefährlich. So ein Blödsinn! Gefährlich ist es, unseren Kindern nicht zu vermitteln, wie unglaublich vielfältig und kostbar die Natur ist und dass wir – auf Gedeih und Verderb – mit ihr verbunden sind.

Wir Menschen können so vieles von der Natur lernen. Ein Leben reicht niemals aus, um alle Zusammenhänge zu begreifen. Denn je genauer man hinschaut, umso mehr gibt es zu entdecken. Und das Erforschte kann man auf vielfältige Art und Weise für sich nutzen – auch das begreift jedes Kind intuitiv.

Ich habe schon als kleiner Bub meine ersten Pflanzen gezogen und meinen ersten Garten angelegt.
Nichts hat mir mehr Freude gemacht, als zu sehen, wie alles wächst, sich entwickelt und vermehrt. Ich war so stolz auf meinen Erfolg! Diese Glückserfahrung hat mich bestärkt und angetrieben weiterzumachen und immer mehr auszuprobieren.

Immer noch sagt man mir nach, dass ich mich „wie ein Kind“ freuen kann. Und das stimmt auch. Jeden Tag entdecke ich etwas Neues in meinem Garten, das mich begeistert.

Meine Neugierde und Experimentierfreude habe ich mir bis heute erhalten. Ich denke auch nicht daran, mich jetzt, wo ich die 80 schon überschritten habe, auf ein „Bankerl vors Haus“ zu setzen, um auf den Tod zu warten. Nein! Ich pflanze immer noch Bäume und lege neue Gärten an, damit ich und die, die nach mir kommen werden, die Früchte dieser Arbeit ernten können.

Wie man einen Ertrag, eine schöne Ernte bekommt, das habe ich von der Natur gelernt. Es ist wahr, sie ist meine Schule. Was ich mir dort abgeschaut habe, will ich teilen.

Dieses Buch ist in einer Zeit entstanden, in der auf eine Katastrophenmeldung schon die nächste folgt: Pandemie, Krieg, Klimakrise, Hungersnöte, Artenschwund.

Wir haben so viele selbstverschuldete Probleme gleichzeitig und die Menschen sind voller Angst. Sie aber ist der schlechteste Begleiter, den man im Leben haben kann. Wenn ich Angst habe, bin ich der Verfolgte.

Gerade jetzt, wo wir uns dringend neu ausrichten und neue Wege gehen müssen, sollten wir die Angst schleunigst ablegen. Sie verleitet uns dazu, überstürzt zu handeln – sie löst keine Probleme, sondern schafft neue. Meine Lebenserfahrung sagt mir, dass man angstfrei sein muss, wenn man an einer besseren Zukunft arbeitet. Wer panisch, kopf- und planlos davonläuft, ist verloren. Die Natur aber, die zeigt dir immer einen guten Weg. Sie will dir helfen, denn du bist ein Teil von ihr.

Was für eine Welt wollen wir denen, die nach uns kommen, hinterlassen? Haben sie denn kein Recht auf eine lebenswerte Zukunft, auf sauberes Wasser, auf gesunde Nahrung?

Immer noch und mehr denn je bin ich überzeugt: Wir brauchen eine Agrar-Rebellion, jetzt!

Fordern und fördern wir das Bewusstsein dafür, dass wir es uns nicht länger leisten können, die Natur auszubeuten und sie zu bekämpfen. Wer Land bewirtschaftet, muss sich mit der Natur verbünden und bereit sein, von ihr zu lernen.

Natur nutzen, ohne sie dabei auszunutzen, dass das gelingen kann, davon bin ich überzeugt und davon handelt dieses Buch. Ich habe es mit meinem Sohn Josef und unserem Freund und Co-Autor Andreas Schindler geschrieben. Es will vor allem Mut machen und zeigen, was alles möglich ist, wenn wir lernen, im Buch der Natur zu lesen, und mit ihr anstatt – wie bisher – gegen sie arbeiten.

Fangen wir damit an. Jetzt.

Sepp Holzer

Aus dem Buch:

Cover des Buches "Agrar-Rebellion jetzt" mit einem Portraitfoto des Autors Sepp Holzer

ISBN 978-3-7020-2076-7
Sepp Holzer / Josef A. Holzer
AGRAR-REBELLION JETZT
Natur lesen – Permakultur begreifen – Zukunft gestalten
192 Seiten, durchgehend farbig bebildert, 16,5 x 22 cm, Hardcover
€ 26,00

Bestsellerautor „Agrar-Rebell“ Sepp Holzer und sein Sohn Josef A. Holzer sind weltweit gefragte Experten für Permakultur. Den Herausforderungen der Klimakrise begegnen die beiden mit Kampfgeist, Kreativität und der Zuversicht, dass die Zukunft noch nicht geschrieben ist. „Der respektvolle, vorausschauende Umgang mit Landschaft, Wasser, Boden, Tieren und Vegetation zeigt uns einen Weg aus der zerstörerischen Gegenwart hin zu einer Zukunft, in der die Land- und Forstwirtschaft nicht länger Teil des Problems, sondern endlich Teil der Lösung sind.“